Zittern (Tremor)

Panthermedia/imago-images.de
Tritt das Zittern bei gezielten Bewegungen wie dem Greifen nach einem Glas auf? Dann liegt ein Intentionstremor vor.

Vor Anstrengung, bei Kälte, Angst oder Aufregung: Der Körper reagiert in vielen Situationen mit einem sichtbaren Zittern, also einem rhythmischen Zusammenziehen der Muskeln. Hält das Zittern aber an oder tritt bei bestimmten Bewegungsmustern auf, steckt möglicherweise eine Erkrankung dahinter.

Für die Ursachensuche ist es hilfreich, die Art des Zitterns näher zu bestimmen. Tritt das Zittern beispielsweise immer in Ruhe auf? Dann spricht man von einem Ruhetremor, der – vor allem einseitig – typisch für die Parkinson-Krankheit ist.

Zittert ein Körperbereich bei gezielten Bewegungen wie dem Greifen nach einem Glas, liegt ein Intentionstremor vor. Betroffene zeigen oft gleichzeitig einen schwankenden Gang. Beides lässt darauf schließen, dass ein bestimmter Teil des Gehirns, das Kleinhirn, geschädigt wurde. Das ist zum Beispiel der Fall bei Gehirntumoren oder langjährigem Alkoholmissbrauch.

Von einem Haltetremor spricht man, wenn sich das Zittern unter Haltearbeit bemerkbar macht, also z. B. beim Versuch, beide Arme im 90-Grad-Winkel von sich wegzuhalten.

Beim essenziellen Tremor handelt es sich um eine Sonderform des Haltetremors. Das Zittern ist dabei manchmal so ausgeprägt, dass das Essen mit Messer und Gabel oder das Trinken aus einem Glas nicht mehr möglich ist. Die Ursache für den essenziellen Tremor ist nicht bekannt.

Liegt die Ursache für das Zittern in der Psyche, handelt es sich um einen psychogenen Tremor. In diesem Fall hört das Zittern oft auf, wenn die Betroffenen abgelenkt sind.

Auch wer bestimmte Medikamente einnimmt, leidet manchmal unter Zittern. Das gilt unter anderem für Neuroleptika, manche Antidepressiva oder bronchienerweiternde Wirkstoffe.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Zittern bei starken Emotionen wie Angst, Freude, Wut

Ursache:

  • Normale Reaktion

Maßnahme:

  • Keine Behandlung erforderlich

Zittern einzelner Muskeln bei starker Belastung (Muskelzuckungen)

Ursache:

  • Normale Reaktion

Maßnahme:

  • Wenn störend, Muskelkraft systematisch auftrainieren

Gelegentliches Händezittern bei Nervosität

Ursache:

  • Nervöses Zittern als Reaktion auf negativen Stress, z. B. durch Überforderung, seelische Belastung, Lärmbelastung, chronischen Schlafmangel

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen in die Hausarztpraxis, wenn körperliche Beschwerden wie Durchfall oder Gewichtsverlust dazukommen

Selbsthilfe:

  • Ausreichend schlafen, Entspannungsverfahren
  • Sport
  • Johanniskrautpräparate nach Absprache mit der Ärzt*in oder Apotheker*in

Heftiges, unregelmäßiges Zittern, das bei Ablenkung völlig verschwindet

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten 1–2 Wochen in die Hausarztpraxis

Zittern in Verbindung mit Frieren; evtl. Zähneklappern

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Bei Unterkühlung: siehe dort

Händezittern, Kopfschütteln und/oder Stimmzittern bei Muskelanspannung und Bewegung; Verschlechterung bei Aufregung, Verbesserung nach Alkoholgenuss; Beginn oft in der Jugend; evtl. mehrere Familienmitglieder betroffen

Ursache:

  • Essenzieller Tremor

Maßnahme:

  • In den nächsten 1–2 Wochen in die Hausarztpraxis

Unregelmäßiges Händezittern bei älteren Menschen, oft verbunden mit Kopfschütteln und/oder ständigen Mundbewegungen

Ursache:

  • Alterszittern (seniler Tremor)

Maßnahme:

  • In den nächsten 1–2 Wochen in die Hausarztpraxis, um schwerere neurologische Erkrankungen auszuschließen

Zittern ausschließlich bei bestimmten, oft übertrainierten Tätigkeiten wie Schreiben, Klavierspielen, Hochleistungssport

Ursache:

  • Aufgabenspezifisches Zittern

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zur Neurolog*in

Zittern der Beine ausschließlich beim Aufstehen und Stehenbleiben

Ursache:

  • Standzittern (orthostatischer Tremor)

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zur Neurolog*in

Rhythmisches, oft einseitiges Ruhezittern (Ruhetremor) an den Händen ("Pillendrehen"), Füßen und/oder am Kopf; steife Muskeln, starres Gesicht; kleinschrittiger, gebeugter Gang; undeutliche, monotone Sprache

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten 1–2 Wochen in die Hausarztpraxis oder zur Neurolog*in

Langsames Zittern bei gezielten Bewegungen (Intentionstremor); Unsicherheit beim Gehen; Augenzittern, abgehackte Sprache

Ursache:

Schädigung im Kleinhirn oder Hirnstamm verschiedenster Ursache, z. B. bei

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen in die Hausarztpraxis oder zur Neurolog*in

Unregelmäßiges, schnelles Händezittern; Unruhe, Herzklopfen, Schwitzen; Gewichtsabnahme bei gesteigertem Appetit, oft Durchfall; evtl. Hervortreten der Augen

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen in die Hausarztpraxis

Zittern, Unruhe und Schwitzen bei bekanntem Diabetes

Ursache:

  • Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen, wenn das Bewusstsein eingetrübt ist
  • Bei Bewusstsein sofort Traubenzucker, zuckerhaltiges Getränk oder Fruchtsaft einnehmen bzw. einflößen

Zittern, Unruhe und Reizbarkeit bei Alkohol- oder Drogenkonsum; bei Alkoholabhängigen typischerweise morgendliches Zittern

Ursache:

Maßnahme:

  • Bei Abhängigkeit in den nächsten Tagen in die Hausarztpraxis oder zur Psychiater*in

Händezittern und Nervosität bei übermäßigem Konsum von Kaffee, Tee, Cola oder Zigaretten

Ursachen:

  • Leichte Koffein- bzw. Nikotinüberdosierung
  • Reaktion auf Entzug von Koffein oder Nikotin

Selbsthilfe:

  • Konsum einschränken
  • Konsum nicht plötzlich, sondern langsam reduzieren

Händezittern bei Medikamenteneinnahme

Ursache:

Nebenwirkung, z. B. von

Maßnahme:

  • Beim nächsten Arztbesuch ansprechen, wenn das Mittel ärztlich verordnet wurde

Selbsthilfe:

  • Bei Selbstmedikation Mittel absetzen

Händezittern beim Absetzen von Medikamenten

Ursache:

Entzugserscheinung bei Abhängigkeit von

Maßnahme:

  • Am selben Tag in die Hausarztpraxis, Entzug nur unter ärztlicher Kontrolle durchführen

Ihre Apotheke empfiehlt

Entspannen.

Gerade der essenzielle Tremor verstärkt sich häufig unter Stress oder Aufregung. Umgekehrt lässt sich das Zittern oft durch Entspannungsübungen reduzieren. Besonders eignen sich Techniken wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelrelaxation. Wichtig ist, regelmäßig zu üben, damit sich der Effekt auch im Alltag und vor allem in Belastungssituationen abrufen lässt.

Medikamente überdenken.

Wer seine Medikamente als Auslöser im Verdacht hat, sollte Rücksprache mit seiner Ärzt*in halten. Besonders wahrscheinlich ist das etwa, wenn es sich dabei um Neuroleptika, Antidepressiva oder bronchienerweiternde Medikamente handelt. In manchen Fällen hilft bereits eine niedrigere Dosierung, damit das Zittern wieder verschwindet. Sprechen Sie aber unbedingt vorher mit Ihrer Ärzt*in und setzen Sie die Medikamente keinesfalls eigenmächtig ab.

Achtung vor Alkoholmissbrauch.

Alkohol spielt in mehrfacher Hinsicht eine Rolle beim Zittern. Weil er ein Nervengift ist, schädigt er bei langem, übermäßigem Konsum das Kleinhirn und kann so der Verursacher des Zitterns sein. Auch beim Alkoholentzug tritt Zittern auf – das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Entzug besser unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte. Beim essenziellen Tremor wird das Zittern nach dem Alkoholtrinken kurzfristig besser. Dann ist es wichtig, sich aus diesem Grund nicht zu übermäßigem Alkoholkonsum hinreißen zu lassen – und längerfristig das Zittern dadurch zu verschlechtern.

Zittern akzeptieren.

Viele Betroffene schämen sich für ihr Zittern und stehen deswegen in der Öffentlichkeit unter starkem Stress. Die Konsequenz ist, dass das Zittern noch schlimmer wird. Auch wenn es schwer fällt: Versuchen Sie das Zittern als Teil von sich selbst zu akzeptieren und gehen Sie mit Ihrer Erkrankung offen um. Meist hat die Umgebung viel weniger Probleme mit Ihren Beschwerden, also Sie es befürchten.

Autor*innen

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Redaktionelle Bearbeitung: Sara Steer | zuletzt geändert am um 12:37 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.